GBS schwerer Verlauf

Klaus., Donnerstag, 14. Mai 2020, 19:06 (vor 22 Tagen) @ Anke1702

Hallo Anke,

schlimm, die Situation.

Für den Vater, aber auch speziell für Deine Mutter. Ich hatte diese Krankheit auch, zum Glück nicht so schwer, nur Beine, Arme und Becken gelähmt, dabei sehr schlimme Schmerzen im ganzen Körper, am schlimmsten waren die Verspannungen im Rücken. Die hatten mich regelrecht durchgebogen...

Ich weiß auch, wie sehr die Angehörigen leiden. Ich konnte das in den Augen meiner Frau lesen.
Was mir aber wirklich geholfen hat, war die Zuversicht.
Als ich nach dem Ausbruch der Krankheit für wenige Tage noch die Tastaturen des Tablets bedienen konnte, habe ich mich eingelesen, und herausgefunden, dass doch sehr viele von den schlimm Betroffenen nach Monaten oder Jahren ins Leben zurückfinden.
Daraus entstand ein Optimismus, den ich mitnehmen konnte, als die Krankheit nach etlichen Tagen immer schlimmer wurde.

Dein Vater hatte diese Vorlaufzeit leider nicht, darum schreibe ich nun diese Zeilen.

Wenn Du weiterstöberst im Netz, dann stößt Du auf die Geschichten der Genesenen.
Erzähl das Deinem Vater, und mach ihm klar, dass es nicht hoffnungslos ist. Er wird es nicht gleich glauben, zuz hoch ist der Leidensdruck.

Allerdings ist es bei mir auch so gewesen, dass ich es in der schlimmen Zeit nicht mehr hören konnte, als man mir sagte: "Du bist stark, Du schaffst das", etc.

Um das zu glauben muss man das mit Fakten hinterlegen, sonst nervt es nur und der Angehörige erreicht das Gegenteil. Vielleicht denkst Du dran...

Erstaunlich war, wie mich jeder kleine Fortschritt motiviert hat. Auch wenn ich jetzt von manchen Leidgeprüften keinen Applaus bekommen werde, bin ich überzeugt, dass die Krankheit mich gestärkt hat. Ich habe etwas überstanden, was selten ist, und habe es geschafft. Es war auch die Erkenntnis, dass das bisherige Leben wertvoll war, und es auch sein wird, selbst wenn man etwas ramponiert raus kommt. Das stört weniger, es ist die Dankbarkeit und die Freude, dass man noch am Leben teilhaben kann. So manches wird nebensächlich, und relativiert sich. Das gibt innere Ruhe...

Ich wünsche Deinem Vater, Deiner Mutter und euch Zuversicht. Und die Geduld, die notwendig sein wird. Und Vorfreude auf eine Genesung, denn die Chancen sind in den meisten Fällen gut.

Klaus.


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